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Das Amt für Teilhabe und Soziales informiert

Neuerungen im Bereich Frühförderung durch das Bundesteilhabegesetz

Mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung (Bundesteilhabegesetz) wurde die Reform der Eingliederungshilfe in Deutschland rechtlich normiert. Ziel dieser gesetzlichen Veränderung stellt die Umsetzung eines modernen Teilhaberechts dar. Was dies für betreffende Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Sonneberg konkret bedeutet, erläutert das Amt für Teilhabe und Soziales im Landratsamt Sonneberg wie folgt:

 

Wer erhält Eingliederungshilfe?

Eingliederungshilfe erhält, wer im Sinne des Neunten Sozialgesetzbuches leistungsberechtigt ist. Leistungen erhalten demnach Personen, die durch eine Behinderung wesentlich in ihrer Fähigkeit, an der Gesellschaft teilzuhaben, eingeschränkt oder von einer solch wesentlichen Behinderung bedroht sind.

 

Was ist Frühförderung nach dem Sozialgesetzbuch?

Zu den Leistungen der Eingliederungshilfe zählen unter anderem heilpädagogische Maßnahmen. Solche Leistungen der Frühförderung richten sich an anspruchsberechtigte Kinder von Geburt bis zum individuellen Schuleintritt. Durch diese Maßnahmen soll eine drohende Behinderung abgewendet, ein fortschreitender Verlauf einer Behinderung verlangsamt, die Folgen einer Behinderung beseitigt oder gemildert und die Entwicklung und Entfaltung der Persönlichkeit des Kindes gefördert werden.

 

Leistungen der Frühförderung können in ambulanter bzw. mobiler Form oder auch teilstationär erbracht werden. Als teilstationäre Angebote gibt es derzeit fünf integrative Kindertageseinrichtungen im Landkreis Sonneberg. Das Wunsch- und Wahlrecht eröffnet den betreffenden Eltern darüber hinaus die Möglichkeit, den Ort der Leistungserbringung zu wählen, so dass auch eine sogenannte Regeleinrichtung in Wohnortnähe im Rahmen des individuellen Gesamtplanverfahrens in Betracht zu ziehen ist. Dabei ist zu prüfen, ob die konzeptionellen, personellen und räumlichen Bedingungen den besonderen Bedürfnissen im jeweiligen Einzelfall Rechnung tragen. Sofern die Voraussetzungen in der jeweiligen Kindertageseinrichtung gegeben sind, kann die Förderung eines Kindes mit vorliegender bzw. drohender Behinderung auch dort erfolgen.

 

Werden medizinische und heilpädagogische Leistungen gemeinsam wirksam, so spricht man von einer Komplexleistung. Im Landkreis Sonneberg stehen hierzu zwei interdisziplinäre Frühförderstellen zur Verfügung.

 

Was hat sich verändert?

Bereits am 1. Dezember 2020 ist die Landesrahmenvereinbarung Früherkennung und Frühförderung für den Freistaat Thüringen in Kraft getreten. Sie regelt das Zusammenwirken der Rehabilitationsträger mit den Leistungserbringern. Die Rahmenvereinbarung zielt darauf ab, die Inanspruchnahme der verschiedenen Leistungen durch eine bedarfsorientierte Versorgung von Kindern mit vorliegender bzw. drohender Behinderung unter Einbeziehung des sozialen Umfeldes sicherzustellen. Eine wichtige Neuerung stellt das offene Beratungsangebot dar. Eltern, die ein Entwicklungsrisiko bei ihrem Kind vermuten, können dieses einmalig bei einer zugelassenen Frühförderstelle in Anspruch nehmen.

 

Mit der verbindlichen Einführung des Bedarfsermittlungsinstrumentes „ITP FrüKi“ – dem Integrierten Teilhabeplan Frühe Kindheit – wird in Thüringen flächendeckend und landeseinheitlich eine personenzentrierte Bedarfsermittlung gewährleistet. Im Rahmen des Gesamtplanverfahrens nehmen die Sorgeberechtigten eine zentrale Rolle ein. Auch im Verlauf der Förderung haben sie entscheidenden Einfluss auf die Ausgestaltung der Leistung. Nur im engen Zusammenwirken mit dem Familiensystem kann für jedes Kind ein passgenaues Angebot zur Teilhabe realisiert werden.

 

Der „ITP FrüKi“ stellt ein standardisiertes Bedarfsermittlungsinstrument dar. Er basiert auf einer ganzheitlichen und individuellen Betrachtung des Kindes in seinem sozialen Umfeld.

 

Im Bereich der Frühförderung sind auf regionaler Ebene die Strukturen und Prozesse entsprechend der neuen Anforderungen auszugestalten. Gemeinsam mit den Akteuren vor Ort wurde hierfür ein Arbeitskreis zum fachlich-inhaltlichen Austausch und zur Weiterentwicklung gegründet.

 

Fazit

Die Neuerungen im Bereich Frühförderung durch das Bundesteilhabegesetz geben Eltern von behinderten bzw. von Behinderung bedrohten Kindern noch mehr Mitsprache- und Beteiligungsmöglichkeiten für eine individuelle und bedarfsgerechte Förderung ihrer Kinder. 

 

Wer Fragen zu den Leistungen der Frühförderung hat, kann sich gerne an die zuständige Mitarbeiterin im Landratsamt Sonneberg wenden:

 

Amt für Teilhabe und Soziales

Frau Meyer

Bahnhofstraße 66

96515 Sonneberg

Tel: 03675/871-343

E-Mail: tina.meyer@lkson.de